Dienstcharta - Juli 2015


Sozialpädagogische Tagesförderstätte für Menschen mit Wahrnehmungsstörungen in Brixen


1) Einleitung

Die Sozialgenossenschaft Efeu wurde 2003 von Eltern und sozial engagierten Mitmenschen gegründet um Kindern mit Wahrnehmungsstörungen über die Schulzeit hinaus Lernen zu ermöglichen. Gemeinsam mit Therapeuten und den Verantwortlichen der BZG erarbeiteten sie ein Konzept zum therapeutischen Wohnen und Arbeiten nach dem Affoltermodell® in einer familiären Struktur.
Alle Klienten haben zwar unterschiedlichste Diagnosen, jedoch eine verbindende Gemeinsamkeit: Wahrnehmungsstörungen. Ziel ist es, jeden Einzelnen, in seinen Bemühungen um ein selbstbestimmtes Leben, zu unterstützen. Gesellschaftliche Inklusion soll Wirklichkeit werden. Weiter möchten die Eltern eine Form der Förderung (Affolter) in Südtirol etablieren.


2) Zielgruppe

Personen mit schweren Wahrnehmungsstörungen aus den Bereichen: Entwicklungsstörung,-verzögerung, Autismus – Spektrum – Störung, Schädel-Hirn-Verletzungen


3) Zielsetzungen

Das Angebot richtet sich an junge Erwachsene und in Ausnahmefällen an Jugendliche. Jeder dieser Personen hat Fähigkeiten und Fertigkeiten. Leider behindert aber oft eine Wahrnehmungsstörung den Einzelnen an deren Ausübung. Wahrnehmungsstörungen kommen bei den unterschiedlichsten Diagnosen vor. So gelingen dem Einzelnen Arbeiten und angepasste Verhaltensweisen oft sehr gut, können unter anderen Rahmenbedingungen aber meist nicht mehr umgesetzt werden. Stress kann entstehen, welcher sich dann in Verhaltensauffälligkeiten
oder stereotypen Verhalten äußern kann. Es gibt die unterschiedlichsten Auffälligkeiten.
Um den Einzelnen so gut als möglich individuell in seiner Selbstständigkeit zu fördern und weiteres Lernen zu ermöglichen, werden folgende Hauptziele verfolgt:


Oberstes Ziel ist es, dem Menschen zu ermöglichen zum eigenständigen Handeln zu kommen, um persönliche Ziele zu verfolgen und nach bester Möglichkeit umsetzten zu können (Autonomie).
Der Klient hat die Möglichkeit:

  • über gespürte Erfahrungen in Alltagssituationen zu einem verbesserten Gesamtbild einer Situation zu kommen (Verknüpfungen aller Sinneserfahrungen).
  • in alltäglichen Situationen zu lernen.
  • in Einzelarbeiten, Zweiersituationen oder auch in Gruppenarbeiten eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten einzubringen und neues zu erfahren
  • in diesen Arbeiten soziale und kommunikative Formen zu erleben und zu erlernen.
  • Regelmäßige sinnvolle Tätigkeiten im Sinne von Arbeit (häusliche, handwerkliche, gestalterische und gärtnerische Arbeiten) auszuführen. Diese sollen dem Einzelnen in der Tagesstruktur unterstützen (Unruhe und stereotypes Verhalten mindern).
  • sich mit Kulturtechniken wie Malen, Schreiben, Lesen und Umgang mit Zahlen (Uhr / Geld) vertraut zu machen.


4) Dienstleistungen

Angewandte Therapiemodelle:
Affolter (Interaktives Führen)
Bobath (Anbahnung von normaler Bewegung)
FOTT nach Coombes (Schluckmanagment)

Allgemein pädagogische Ansätze:

  • Verstärkung von Behinderung und Beeinträchtigungen abwenden
  • Berücksichtigen der kulturellen und religiösen Wurzeln
  • Einbeziehen von persönliche Vorlieben und Neigungen
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
  • Fördern der Selbständigkeit
  • Förderung lebenspraktischer Fähig- und Fertigkeiten
  • Beachten der Jahreszeit und den jahreszeitlichen Festen
  • Umwelterfahrung und Umweltorientierung

Arbeitsangebote, -inhalte und -weise:
Der Betreute soll sich in erster Linie in einer familiären und häuslichen Umgebung wohlfühlen. Deshalb ist die Tagesstätte einem normalen Wohnhaus identisch. Es gibt eine Küche, ein Bad, separate Toiletten; Arbeitsräume und Ruheräume stehen zur Verfügung. Im Außenbereich ist ein Garten angelegt. Das Haus passt sich jeweils an die Bedürfnisse der Bewohner an. Somit können auch Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung an allen Angeboten teilhaben.
Die individuelle Förderung des Einzelnen liegt einem therapeutisch/pädagogischem Ansatz zu Grunde. Aus sinnvollen Alltagsgeschehen kann der Einzelne entweder selbstbestimmt auswählen, oder in für ihn noch schwierigen Geschehen herangeführt werden. Diese Alltagsgeschehen sind den Bereichen Pflege der eigenen Person, der Selbstversorgung (kochen, essen, trinken) dem häuslichem Alltag (Einkaufen, Arbeitsalltag, Garten), den allgemeinen Kulturtechniken oder der Freizeit (Hobbyfindung: Werken, Sport) zuzuordnen. Überwiegend wird nach dem Ansatz nach Affolter gearbeitet.

Max beschreibt dies so:

„Beim Affolter werden wir geführt. Wir wissen im ersten Moment noch nicht was passieren wird. Später kommen wir aber darauf, was mit uns los ist. Es wird in dieser Zeit sehr wenig gesprochen. Die Arbeit gefällt mir sehr gut und es ist für mich sehr spannend"
Sabine schreibt auf die Frage: Was passiert beim Führen?
„Das es beser geht und das ich beser arbeiten kann und das ich gut konzentriren kann und das ich mich beruigen kann. Mir geht beim arbeiten super"

Zu unserem Arbeitsangebot gehört auch das heranführen in kleine Serienarbeiten. Diese Werkstücke werden von uns kreiert und werden so angefertigt, dass jeder der Gruppe die Möglichkeit besitzen, an diesen Arbeiten seinen Beitrag zu leisten.
Die Nachmittage werden aufgeteilt. Kreative Werkstatt, Tanz und Theater, Spielenachmittage, Bewegung oder sonstige Wünsche der Erwachsenen.

Im Rahmen von Außenaktivitäten finden Ausflüge, Stadtgänge, Schwimmen in öffentlichen Einrichtungen, Spaziergänge statt. Einmal jährlich wird eine einwöchige Ferienmaßnahme oder mehrere betreute Wochenenden innerhalb der Institution organisiert.

Gezielte physiologische Anwendungen bei körperlich Beeinträchtigten gehören genauso dazu, wie Bewegung für den nicht Beeinträchtigten.

Soweit als möglich werden Arbeitspraktika in Brixen und der nahen Umgebung versucht mit einzubinden.


5) Standort

Die Tagesförderstätte befindet sich im Talhoferhof", Untereben 5 in 39042 Brixen.


6) Aufnahmekapazität

Die Tagesstätte bietet täglich Platz für maximal 8 Personen.


7) Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten werden jährlich mittels Tätigkeitskalender festgelegt.
Die Tagesstätte ist von Montag bis Donnerstag täglich von 8.00 bis 15.00 Uhr und am Freitag von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr geöffnet. Insgesamt durchschnittlich 225 Tage im Jahr. Das entspricht einer Betreuungszeit von 33 Stunden pro Woche. Das Büro öffnet um 8.30 Uhr und schließt um 12.00 Uhr.
Besuche während der Öffnungszeiten sind jederzeit möglich. Vorherige Vereinbarungen sind aus organisatorischen Gründen erwünscht.


8) Zugangsbedingungen

  1. Der Klient leidet an einer spezifische Art der Wahrnehmungsstörung (taktil/ intermodal). Diese beeinträchtigt massiv seinen persönlichen und/oder sozialen Alltag.
  2. Kommt diagnostisch aus einem der beschriebenen Krankheitsbilder
    a. angeborene Störung wie z.B. Entwicklungsstörung , ASS
    b. erworbene zerebrale Schädigung (z.B. CP,SHT, Hypoxie, Tumor)
  3. Einweisung eines Arztes oder Psychologen des sanitären Betriebs und Zuweisung durch eine  Bezirksgemeinschaft
  4. Zustimmung aller finanzierenden Netzwerkpartnern und der Sozialgenossenschaft


9) Kosten und Tarife

Gemäß Dekret des Landeshauptmanns Nr. 30 vom 11.08.2000 in geltender Fassung ist für den Besuch der Einrichtung eine finanzielle Beteiligung des Antragstellers und/oder von dessen Angehörigen an den Kosten des Dienstes vorgesehen. Die Tarife werden jährlich von der Landesregierung neu festgelegt und sind jeweils an die individuelle Zuordnung zu einer Pflegestufe gekoppelt.


10) Bewertungsmodalitäten der Einrichtung und Beteiligung der Klient/inn/en

Es wird jährlich ein Individuelles Projekt erstellt, welches die Betreuung und Förderung des Einzelnen zielgerichtet unterstützt. Dieses Instrument wird mit den Klienten, den Eltern bzw. dem Verantwortlichen und den Mitarbeitern der Einrichtung erstellt. Generell sind die Klienten in die Planung des Tagesablaufs eingebunden. Soweit es möglich ist, werden diese auch nach Ihren Wünschen befragt, und nach Möglichkeit realisiert. Ein Wochenplan über die unterschiedlichen Einheiten, gewährleistet die Betreuung und zielorientierte Förderung. Dieser wird nach Bedarf angepasst. Außerdem versuchen wir mittels Videoaufzeichnungen während und nach der Fachberatung den Zufriedenheitsgrad der Klienten zu definieren. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und auf deren Beobachtungen hin erhalten wir ein Bild von der Zufriedenheit der Klienten und können unmittelbar auf deren Bedürfnisse eingehen, bzw. Maßnahmen ergreifen. Es findet jährlich ein Mitbestimmungstreffen statt, an dem Eltern, Mitarbeiter und die Trägerkörperschaft teilnimmt.
Regelmäßig stattfindende interne Evaluationen sowie von Dritten geleitete, helfen uns einen genaueren Einblick über den Förderstand, eventuellen Problematiken des Einzelnen zu erhalten Um daraus notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Fallbesprechungen sind ebenso obligatorisch wie eine schriftliche und bildgebende Dokumentation. Um den Klienten eine qualitativ guten Aufenthalt in Betreuung und Förderung zu gewährleisten, unterzieht sich das gesamte Team Mitarbeiterevaluationen.


11) Verfahren bei Beschwerden

Beschwerden und Anregungen können mündlich oder schriftlich bei der Einrichtungsleitung vorgebracht werden. Die Antwort auf Beschwerden und Anregungen erfolgt innerhalb von 30 Tagen.